MRT des Oberbauches

Im Rahmen der Ganzkörper-Magnetresonanztomographie werden die Organe, Gewebe und Strukturen des Oberbauches dargestellt und begutachtet. Im Folgenden geben wir Ihnen einen exemplarischen Überblick über mögliche anatomische Auffälligkeiten beziehungsweise Erkrankungen in diesem Bereich.

Leber

Die MRT-Diagnostik ist in der Lage, verschieden ausgeprägte Stadien einer Lebersteatose darzustellen. Dabei handelt es sich um die sogenannte Fettleber, die durch die Einlagerung von Fetten in den Leberzellen entsteht. Die Zellen verlieren ihre Leistungsfähigkeit und entzünden sich leicht. Eine hochgradig ausgeprägte Fettleber kann zu einer Leberzirrhose führen. Das gesunde Lebergewebe wird durch Bindegewebe ersetzt, das die normalen Funktionen der Leber nicht mehr ausführen kann. Es kommt zum Leberversagen.

Wird diese Lebererkrankung im MRT bereits früh erkannt, kann gezielt gegengesteuert werden, zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion oder den Verzicht auf Alkohol.

Ferner können wir frühe Stadien von gut- oder bösartigen Lebertumoren abbilden. Krebs im Frühstadium lässt sich sehr gut behandeln, außerdem kann man in dieser Phase auch bei bösartigen Tumoren das Entstehen von Tochtergeschwülsten (Metastasen) vermeiden.

Des Weiteren lassen sich Leberzysten vom gesunden Gewebe unterscheiden. Es sind flüssigkeitsgefüllte, klar abgegrenzte Hohlräume, die gutartig sind und ein langsames Wachstum aufweisen. Beschwerden treten oftmals erst durch größere Zysten auf. Da durch diese Raumforderungen gesundes Lebergewebe verdrängt wird, ist von Fall zu Fall zu entscheiden, ob diese entfernt werden sollten.

Krankhaftes Lebergewebe bedingt durch eine Leberzirrhose ist ebenfalls durch die MRT darstellbar. In dem Krankheitsverlauf wird die Struktur der Leber nach und nach zerstört. Das gesunde Lebergewebe wird durch Bindegewebe ersetzt, das die natürlichen Funktionen im Stoffwechsel des Körpers nicht leisten kann. Es kommt zur Leberverhärtung, es bilden sich deutliche Knoten und Narbengewebe.

Schreitet die Zirrhose voran, büßt das Organ seine wichtigen Funktionen als Stoffwechsel- und Entgiftungszentrum ein. In schweren Fällen ist eine Leberspende vonnöten, um das Organ zu ersetzen.

Sind aufgrund der MRT-Bildgebung erste Schädigungen erkennbar, ist es dem behandelnden Internisten möglich, die Ursachen der Leberzirrhose aufzuspüren und gezielt zu behandeln, wodurch das weitere Fortschreiten der Zirrhose vermieden werden kann.

 

Gallenblase

In der Gallenblase wird der Gallensaft gespeichert, der in der Leber produziert wird. Dieser wird gezielt in den Dünndarm abgegeben und dient der Verdauung, besonders im Hinblick auf den Fettstoffwechsel.

Auffällige Veränderungen der Gallenblase können beispielsweise durch Anreicherung von Sludge verursacht werden. Dieser Gallenschlamm besteht im Wesentlichen aus zähflüssigem Schleim, angereichert durch Bilirubinsalze und Cholesterinkristalle. Sludge kann Ursache für die Bildung von Gallensteinen sein.

Ferner haben wir durch die Magnetresonanztomographie die Möglichkeit, erste Anzeichen eines Gallenblasentumors nachzuweisen. Da diese Tumore erst in sehr späten Stadien Symptome aufweisen (z. B. durch Rückstau der Gallenflüssigkeit in die Leber), ist es umso wichtiger, nach dem Nachweis im MRT eine geeignete Therapie zu starten.

Ein weiteres wichtiges Thema in Bezug auf die Untersuchung der Gallenblase ist die Bildung von Gallensteinen. Viele verursachen keinerlei Beschwerden und müssen deshalb auch nicht behandelt werden. Kritisch wird es, wenn Gallensteine in die Gallengänge gelangen und diese verstopfen (siehe Kap. 7.3: Gallenwege).

Darüber hinaus stellt die MRT Veränderungen der Gallenblase dar, die durch einen Gallenblasenhydrops verursacht werden. Dabei handelt es sich um eine krankhaft vergrößerte Blase, die durch einen Gallenstau verursacht wird. Hier können wir dem behandelnden Internisten wichtige Hinweise geben, damit die Ursachen des Staus geklärt werden können.

Als Zufallsbefunde im MRT lassen sich Gallenblasenpolypen darstellen, die meist zu keinerlei Symptomen führen. Größere Polypen sollten allerdings mitsamt der Blase entfernt werden, da es in seltenen Fällen zur Entartung kommen kann, die zu Gallenblasenkrebs führt.

 

Gallenwege

Die ableitenden Gallenwege können durch Gallensteine verstopft werden, wodurch der Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm verhindert wird. Die Galle staut sich in die Leber und die Bauchspeicheldrüse zurück. Der Patient leidet an schweren, kolikartigen Schmerzen, klagt über Übelkeit und muss sich erbrechen. Auffällig ist auch die gelbliche Färbung der Haut und der Augen durch den Farbstoff Bilirubin, der beim Abbau der roten Blutkörperchen entsteht.

Die MRT gibt uns Auskunft über Größe, Lage und Form der Steine sowie den Rückstau der Gallenflüssigkeit. So lässt sich beurteilen, ob therapeutische Maßnahmen hinsichtlich der entdeckten Gallensteine notwendig werden.

 

Bauchspeicheldrüse

Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) verursachen erst im späten Stadium Beschwerden, deshalb ist es umso wichtiger, mit der MRT ein diagnostisches Verfahren anzuwenden, das erste tumoröse Auffälligkeiten der Drüse nachweist. Ein frühes therapeutisches Eingreifen ist gerade hinsichtlich des Bauchspeicheldrüsenkrebses von besonderem Vorteil.

Anatomische Auffälligkeiten des Pankreasgangs (Erweiterung des Gangs) können Vorboten eines Pankreastumors sein. Aufgrund der gewonnenen Daten kann geklärt werden, welche Ursache der Erweiterung des Pankreasgangs zugrunde liegt.

Wie auch in der Gallenblase können in der Bauchspeicheldrüse Steine entstehen, welche die Pankreasgänge blockieren und den Fluss der Verdauungssäfte behindern. Dadurch kann sich die Bauchspeicheldrüse entzünden. Mit der MRT sind bereits kleine Steine darstellbar, die regelmäßig überprüft werden können.

Aufgrund von Bauchspeicheldrüsenentzündungen können Pseudozysten entstehen. Dies sind flüssigkeitsgefüllte, klar abgegrenzte Hohlräume, die zumeist keine Symptome verursachen. Bei vorhandenen Beschwerden in diesem Bereich kann eine Drainage durchgeführt werden oder eine Entfernung der Zyste ratsam sein.

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), die beispielsweise durch den Abfluss der Galle in die Drüse verursacht wurde, kann in zwei Formen auftreten: exsudativ und ödematös. Bei der Ersteren wird aufgrund der Entzündungsprozesse Flüssigkeit aus dem Pankreas abgesondert, wohingegen bei der zweiten Form Flüssigkeit im Pankreas angelagert wird. Mit der MRT-Bildgebung wird eine optimale diagnostische Grundlage geschaffen, zu entscheiden, welche gezielten Maßnahmen gegen die Entzündung ergriffen werden sollten.

 

Milz

Die Milz ist dem lymphatischen System zuzuordnen. Sie spielt eine Rolle bei der Immunabwehr und ist verbunden mit dem Netzwerk aus Lymphgefäßen und Lymphknoten, das über unseren ganzen Körper verteilt ist.

In der Diagnostik ist die Beurteilung der Größe dieses Organs wichtig. Dabei können ihre Ausmaße zum einen auf einen Pfortaderhochdruck, zum anderen auf Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) hinweisen. Im letzteren Fall wird sie im Zuge der Krebstherapie entfernt.

 

Nebennieren

Die Nebennieren sind paarweise angelegte, gut durchblutete Drüsen, die oberhalb der Nieren liegen. Sie bestehen aus einem äußeren Teil, der Nebennierenrinde, und einem inneren, dem Nebennierenmark. Sie dienen der Hormonproduktion (z. B. Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin).

Adenome sind gutartige Tumore der Nebenniere. Oftmals werden sie als Zufallsbefund bei der MRT entdeckt. Besteht ein eindeutiger Fettnachweis dieses Areals deutet dies auf die Gutartigkeit des Tumors hin.

Das Phäochromozytom entsteht aus Zellen des Nebennierenmarks. Dieser Tumor ist nicht leicht zu diagnostizieren. Meistens ist er gutartig, etwa in 10 Prozent der Fälle allerdings bösartig. Diese Tumorart schüttet unkontrolliert Noradrenalin und Adrenalin aus. Patienten zeigen bei dieser Krebserkrankung als eines der Hauptsymptome häufig Attacken von hohem Blutdruck.

Nebennierenkarzinome sind auf dem MRT-Bild meist unregelmäßig abgegrenzt und zeigen eine ebenfalls inhomogene innere Struktur. Oft sind Veränderungen des Gewebes wie Einblutungen oder Verkalkungen sichtbar. Die meisten bösartigen Tumore zeigen keinen Fettanteil.

Metastasen in den Nebennieren lassen sich im MRT häufig beidseitig erkennen. Sie sind in der Größe variabel, haben meist keinen Fettanteil und weisen Einblutungen und Verkalkungen des Gewebes auf.

Bei vielen Patienten, die krankhafte Veränderungen der Nebennieren zeigen, tritt hoher Blutdruck auf. Dafür kann eine erhöhte Cortisolausschüttung (Morbus Cushing, Cushing-Syndrom) verantwortlich sein, oder er wird verursacht durch die krankhafte Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin).

Nieren

Die paarweise angelegten Nieren übernehmen eine wichtige Filterfunktion für den Körper. Sie schwemmen mit dem Urin Giftstoffe und Abbauprodukte aus, regulieren den Hormon-, Säure-Basen-, Elektrolyt- und Wasserhaushalt des Körpers. Außerdem haben sie Einfluss auf den Blutdruck.

Die MRT stellt zum einen die Größe der beiden Nieren dar, zum anderen ist auch sehr gut zu beurteilen, wie gut die Nieren durchblutet werden. Darüber hinaus kann ein möglicher Harnstau, zum Beispiel aufgrund krankhafter Veränderungen in der Blase, abgebildet werden.

Das Nierenbecken fängt den gebildeten Urin auf und gibt ihn an den Harnleiter ab, der ihn in die Harnblase abführt. Bei bestehendem Harnstau kann die Flüssigkeit nicht abfließen und es kommt zu einem Verbleib im Nierenbecken. Dies kann Entzündungsprozesse in Gang setzen und zu heftigen Schmerzen führen (Nierenbeckenentzündung).

Nierenerkrankungen verlaufen oft schleichend und machen sich erst bemerkbar, wenn nur noch etwa ein Drittel der Nierenleistung erbracht wird. Erklärtes Ziel ist es deshalb, krankhafte Veränderungen der Nieren möglichst früh zu erkennen (MRT-Vorsorge), damit es nicht zu einer chronischen Niereninsuffizienz kommen kann. Mit Hilfe der MRT können auch erste Hinweise auf Nierentumoren erfasst werden. Diese Tumoren entdecken wir tatsächlich relativ häufig als Nebenbefund. Kleine Geschwülste dieser langsam wachsenden Tumoren können bei gleichzeitigem Erhalt der Niere entfernt werden. – Ein wichtiges Detail der MRT-Vorsorgeuntersuchung!

 

Gefäßstatus

Zum Thema MRT der Gefäße möchten wir bezüglich Arteriosklerose, Stenosen und Aneurysmen auf die Kapitel MRT der Gefäße verweisen.

Darüber hinaus ist der MRT-Nachweis von Varizen (Krampfadern) im Oberbauch von Bedeutung. Hier besteht die Gefahr der Venenthrombose, die letztendlich nach Ablösung eines Blutgerinnsels eine Lungenarterienembolie (Minderdurchblutung des Lungengewebes) hervorrufen kann.

Venenthrombosen entstehen durch ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß verstopft und den Blutfluss verhindert. Die Pfortaderthrombose (Leber) kann beispielsweise durch ein Gallenkarzinom verursacht werden. Auch Nierenvenen können durch eine Thrombose beim Blutabfluss aus der Niere eingeschränkt werden. Ein MRT mit Kontrastmittel verdeutlicht diese krankhaften Anzeichen der Thrombose.

Kann der Blutfluss aufgrund einer Einschränkung nicht seinen normalen Weg nehmen, so bilden sich Kollateralkreisläufe = Umgehungskreisläufe. Fällt beispielsweise eine Hauptarterie aus verschiedensten Gründen aus, übernehmen angeschlossene Arterien die Versorgung des Organs, zum Beispiel der Leber. Wird ein Kollateralkreislauf nachgewiesen, so liegt es nahe, dass eine hauptversorgende Arterie blockiert ist.

 

Lymphknotenerkrankungen

Bösartige Tumore der Lymphbahnen (Lymphome) werden unter 8.3 näher beschrieben.

Darüber hinaus lassen sich mit der MRT postoperative Lymphocelen darstellen. Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit, zum Beispiel im Bauchraum, nach der Entfernung eines Lymphknotens. Wird im MRT freie Lymphflüssigkeit nachgewiesen, bedeutet dies noch nicht, dass eine Behandlung folgen muss. Meist bildet sich die Lymphe zurück. Nur in seltenen Fällen wird eine Drainage des Bereiches notwendig.

Bei Nieren-, Leber- oder Herzerkrankungen kommt es häufig aufgrund von Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen zum Lymphstau in den Lymphbahnen. Die Folge davon sind beispielsweise angeschwollene Beine und Füße, in denen sich die Lymphe ansammelt (Lymphödem).

 

Freie Flüssigkeit / Ascites

Auf die Problematik der freien Flüssigkeit im Bauchraum, verursacht durch Tumoren oder Metastasen, Leberzirrhose, Peritonealcarcinose oder Herzinsuffizienz, gehen wir in Kapitel MRT des Beckens näher ein.

Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen zur Ganzkörper-Magnetresonanztomographie in unserer Praxis für Vorsorgemedizin in Witten zur Verfügung.

 

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